| 🕖 9 min. | Artwork: emanuele balzani
DramaMix SetSad Storytelling

Side A — Drama Baby

*english text below

„Drama Baby“ ist ein Mixtape, welches ursprünglich von mir und nur für mich aufgenommen wurde und zwar zu einer Zeit, in der mich großer Herzschmerz heimsuchte. Nicht etwa klassischer Liebeskummer. Ich hatte das Auseinanderdriften einer engen und besonderen Freundschaft zu verantworten. Liebe kann manchmal unberechenbar sein und zu unberechenbaren Verhalten führen. In einem Moment denkt man noch, alles werde gut, doch im nächsten fliegt einem plötzlich alles um die Ohren… wie in einem Drama.

Dieses Set ist dementsprechend eine Art persönlicher Soundtrack, den ich aber gern mit allen da draußen teilen möchte, die innerlich aufgewühlt sind. Es ist eher für die späten Abendstunden geeignet um dich zu erden und zu entspannen.

Du kannst das Tape entweder gleich hier anklicken und eintauchen (Link: unterhalb), oder du besuchst meinen digitalen Spielplatz “Spiritual Disko”. Dort findest du alle Mixtapes, die ich unter meinem Alias “Walachei” veröffentliche und alles, was meine Freunde zaubern und hochladen. Es gibt dort keine vorgeschriebene Richtung, kein fokussiertes Genre, kein entweder oder. Der Grundgedanke, den wir pflegen, ist es, wieder spirituellere Musik auf die Tanzflächen zu bringen. In Berlin findet man fast keine Abwechslung mehr, insbesondere im elektronischen Bereich.

Exposition

Das Intro von “Drama Baby” wird aus zwei Ambientstücken kombiniert, das Meeresrauschen — gesampelt von Adolf Noise — in Kombination mit den Synthesizer-Spielereien von Dreems machen den Set-Einstieg für mich perfekt. Abschalten und losgleiten.

Es folgt ein Song von Fink aus seinem wunderschönen Album „Fink‘s Sunday Night Blues Club“. Ich mag die LP sehr gern, die Thematik der Texte sind typisch bluesig, die klassischen Klage-Zeilen über den Verlust einer geliebten Person ließen mich das Album in Zeiten viele Male hören. Einfachheit ist oft so viel Wert! Und man muss auch anmerken, dass die meisten dieser Songs im ersten Take und somit quasi live aufgenommen wurden. Nur ein Schlagzeug, eine Gitarre mit einem Delay und ein altes Mikro. Erstaunlich, wie in kürzester Zeit und mit diesen simplen Mitteln ein derartiges Blues-Album entstehen konnte.

Nach einem kurzen selbstgebauten Interlude folgen 2 Songs mit einem leichten Country Charme. „Rocky Racoon“ von Paul McCartney mit einer — für mich — perfekt passenden Geschichte über Eifersucht, Rache und Erleuchtung und im Anschluss docken Jonathan Richman & The Modern Lovers mit einem kurzen Instrumental an. Ob das nun als Country durchgeht, oder eher in eine Thai-Funk Richtung driftet, das ist Interpretationsabhängig. Auf jeden Fall passte mir die Gitarre dort gut.

Jonathan Richman & The Modern Lovers (Foto: www.bbc.co.uk)

Ich habe dann an der Stelle Instrumentals von Opez und Khruangbin angehangen. Opez — gegründet von den beiden Italienerrn Massi Amadori und Francesco Tapp — haben mich mit ihrem Album „Dead-Dance“ schwer begeistert. Sie klingen für mich weniger nach einer typisch Italienischen Band, sondern viel mehr wie der Soundtrack, den man in Mexiko aus einer fernen Jukebox hören würde, während man gerade die staubige Mittagshitze im Schatten seiner Veranda aussitzt.

Khruanghbin haben die letzten Jahre für viel Aufregung gesorgt. Nachdem einige EP‘s auf Discogs hohe Preise erzielten, wurden eben diese nochmal gebündelt auf einer Japan-Pressung released. Zu meinem Glück fand ich dort ihren Song „Ha Fang Kheng Kan“, ein Track, der sich mit seinem Country-Flavour perfekt an Opez anschmiegt.

Abschließen wollte ich diese Szenerie mit Alvino Rey, der mal eben 100 Jahre vor Khruangbin und Opez seine Musikerkarriere begann. Ich möchte hier jetzt nicht zu sehr ausschweifen, aber ich finde sein Gitarrenspiel unglaublich! Er bagann früh mit diversen Zupfinstrumenten zu experimentieren und so geschah es, dass er 1935 eingeladen wurde mit der Gitarrenbaufirma „Gibson Guitar Corp.“ an ihrer ersten elektrischen Gitarre mitzuwirken.

Es mögen drei sehr verschiedene Bands sein, aber eins haben sie alle gemeinsam: Diese 3 Songs lassen mich — an einem Nachmittag, wo die Sonne Tief steht — irgendwie auf die selbe Art und Weise schwelgen.

Höhe- und Wendepunkt

Der Höhepunkt findet mit der euphorischen Live-Version des Klassikers von Ray Charles‘ „I Got a Women“ statt. Von hier an bricht Alt-J die Stimmung komplementär auf und Track für Track sinken wir tiefer in eine melancholische trübe Atmosphäre , die außerdem angeleitet wird, von Songwritern wie Steely Dan (reinterpretiert von der Indie-Band „The Darcys“) und John Fruiscante.

Ich habe dann versucht, ein paar elektroakustische Kompositionen von Dreems, Valentin Stip, Flavien Berger und M.Rux (remixed) zu verschmelzen. Wenn ich dieser Stelle lausche, dann schaffe ich es komplett abzuschalten und in mich zu gehen. Fast schon meditativ lassen mich diese besonderen Songs 10 Minuten lang abtauchen und an nichts denken. Das ist an manchem trüben Tag sehr viel wert…

Tragisches Ende

Mit Benjamin Clementine‘s „Gone“ beginnt der Sinkflug. Sein Texte sind ergreifend, sein Klavierspiel berührend und seine Stimme einmalig.

Benjamin Clementine (Foto: www.linusmoranphotography.co.uk)

Als ich mir das erste Mal eine Konzertkarte von ihm kaufte wollte niemand mitkommen (ich war noch jung, irgendwann im frühen Abitur), also saß ich ohne Begleitung in der Berliner Philharmonie und hatte das erste mal eine nicht enden wollende Gänsehaut. Sein Auftreten ist sehr besonders, er betritt die Bühne immer Barfuß und strahlt eine solch faszinierende Ruhe aus, dass das Publikum absolut verstummt und nur noch gespannt lauscht.

Zuletzt schließt eine Klavierkomposition des Soundtracks „Pomegranates“ von niemand geringerem als Nicolas Jaar das Set ab. Jaar hat mich in meiner Vergangenheit auf vielerlei Wege sehr beeinflusst. Allein schon seine Art und Weise, wie er Set‘s konzipiert ist unglaublich! Wenig andere schaffen es mit einer solchen Harmonie so viele verschiedene Genres in ein Set zu packen. Ich bin jedes Mal verblüfft.

An dieser Stelle möchte ich mich für das Aufmerksame Zuhören bedanken. Hoffentlich kann dich dieses Mixtape an manchem trüben Tage ähnlich ermuntern, wie es bei mir der Fall ist.

Nach dem Tal folgt immer ein Berg.

Blumen gehen raus an:

Adolf Noise, Dreems, Fink, (Cocorosie & Ot to, not to), Beatles, Jonathan Richman & the Rainbow Lovers, Opez, Khruangbin, Alvino Rey & his Orchestra, Ray Charles, Alt-J, John Fruiscante, Steely Dan & The Darcys, Flavien Berger, Pigmaliao & M.Rux, Valentin Stip, Benjamine Clementine, Nicolas Jaar


English Version

“Drama Baby” is a mixtape that was originally recorded by me and only for me at a time when I had great emotional distress. Not the classic heartache, I was responsible for the drifting apart of a close and special friendship. Love can sometimes be unpredictable and leads to unpredictable behavior. One moment you think everything will be fine, but the next suddenly everything blows up in your face … like in a Drama.

Therefore, this set is a kind of personal soundtrack, that I would like to share with everyone out there, who is struggling with tough thoughts. It’s more suitable for the late hours of the evening to ground yourself and relax.

You can either click the tape right here and dive in (link: below), or you can visit my digital playground “Spiritual Disco”. There you will find all mixtapes, which I publish under my alias “Walachai” and everything my friends create and upload. There is no prescribed direction, no focused genre, no either-or. The basic idea that we cultivate is to bring more spiritual music to the dancefloors again. In Berlin, you will find almost no more variety, whether electronic or non-electronic.

Exposition

The intro of “Drama Baby” is combined from two ambient tracks, the sea noise — sampled from Adolf Noise — in combination with the synthesizer plays from Dreems make the set entry for me perfect. Switch off and glide off.

After that follows a song by Fink from his wonderful album “Fink’s Sunday Night Blues Club”. I like this LP very much, the lyrics are typically bluesy, the classic lament lines about the loss of a loved one made me often listen to the album in times. Simplicity is often worth so much! And you have to note that most of these songs were recorded in the first take, which means, it’s kind of a live recording. Just a drum set, a guitar with a delay, and an old microphone. It’s amazing how such a great Blues album could be created in this short time and with such simple means.

After a short self-made Interlude, 2 songs with a little country charm follow. “Rocky Racoon” by Paul McCartney with a — for me — perfectly fitting story about jealousy, revenge, and enlightenment, and afterward Jonathan Richman & The Modern Lovers dock on with a short instrumental. Whether this passes for Country or drifts more in the direction of Thai funk, depends on your interpretation and mood. In any case, the guitar suited me well there.

Jonathan Richman & The Modern Lovers (Foto: www.bbc.co.uk)

Then I added instrumentals by Opez and Khruangbin. Opez — founded by the two Italians Massi Amadori and Francesco Tapp — really impressed me with their album “Dead-Dance”. For me, they sound less like a typical Italian band, but much more like the soundtrack, you would hear in Mexico from a distant jukebox while sitting out the dusty midday heat in the shade of your porch.

Khruanghbin has caused a lot of excitement over the last few years. After some EP’s on Discogs achieved high prices, these were bundled and released on a Japan press. Luckily I found their song “Ha Fang Kheng Kan” on it, a track that fits perfectly with its country flavor to Opez.

I wanted to finish this scene with Alvino Rey, who just started his music career 100 years before Khruangbin and Opez. I don’t want to go too far, but I find his guitar playing unbelievable. He started to experiment with different instruments early on and so it happened that he was invited to work with the guitar building company “Gibson Guitar Corp.” on their first electric guitar in 1935.

They may be three very different bands, but they all have one thing in common: These 3 songs make me — on an afternoon when the sun is low — revel in the same way.

Climax and turning point

The climax of this Set takes place with the euphoric live version of Ray Charles’ classic “I Got a Women”.

From here on Alt-J breaks the mood in a complementary way and track by track we sink deeper into a melancholic gloomy atmosphere, which is also guided by songwriters like Steely Dan (reinterpreted by the Indie-Band “The Darcys”) and John Fruiscante.

After this, I tried to fuse some electroacoustic compositions by Dreems, Valentin Stip, Flavien Berger, and M.Rux (remixed). When I listen to this part, I manage to switch off completely and go into myself. Almost meditative, these special songs make me dive into the depths for 10 minutes and think of nothing. This is worth a lot on some cloudy days…

Tragical Ending

With Benjamin Clementine’s “Gone” the descent begins. His lyrics are affecting, his piano playing touching, and his voice unique.

Benjamin Clementine (Foto: www.linusmoranphotography.co.uk)

When I bought a concert ticket to his Live-Show for the first time (I was a young boy, still in school), nobody wanted to come along, so I sat in the Berlin Philharmonie without accompaniment and for the first time had never-ending goosebumps. His appearance is very special, he always enters the stage barefoot and radiates such a fascinating calmness that the audience falls in absolute silence and starts to listen eagerly.

Finally, a piano composition of the soundtrack “Pomegranates” by none other than Nicolas Jaar closes the set. Jaar has influenced me in many ways in my past. Just the way he conceives sets is incredible! Few others manage to pack so many different genres into one set with such harmony. I am amazed every time.

I would like to thank you at this point for listening so attentively. It was the first time I mixed outside of the 4/4 tact. Hopefully, this mixtape can encourage you on some cloudy days as it does with me.

The valley is always followed by a mountain.

Flowers go out to:

Adolf Noise, Dreems, Fink, (Cocorosie & Ot to, not to), Beatles, Jonathan Richman & the Rainbow Lovers, Opez, Khruangbin, Alvino Rey & his Orchestra, Ray Charles, Alt-J, John Fruiscante, Steely Dan & The Darcys, Flavien Berger, Pigmaliao & M.Rux, Valentin Stip, Benjamine Clementine, Nicolas Jaar